Was passiert, wenn du täglich NAD einnimmst?
600–900 mg NAD-Nahrungsergänzungsmittel täglich erhöhen den NAD-Spiegel und verbessern die Ausdauer leicht – die Langzeitsicherheit ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht.
NAD-Nahrungsergänzungsmittel wie NMN erhöhen den NAD-Spiegel im Blut – das ist inzwischen gut belegt. In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 80 gesunden Erwachsenen mittleren Alters stiegen die NAD-Blutwerte bei allen getesteten Dosierungen von 300 bis 900 mg pro Tag nach 60 Tagen signifikant an. Die höchsten Werte wurden bei 600 und 900 mg erreicht1,2.
Auf körperlicher Ebene schnitten Teilnehmende aller NMN-Gruppen bereits nach 30 Tagen im Sechs-Minuten-Gehtest signifikant besser ab als die Placebogruppe. Wer 600 oder 900 mg einnahm, berichtete zudem von einem messbar verbesserten allgemeinen Wohlbefinden. Auf die Blutzuckerregulation hatte das Präparat in dieser Studie keinen nachweisbaren Einfluss.
Eine kleinere Studie mit 11 japanischen Männern, die täglich 250 mg einnahmen, bestätigte den NAD-Anstieg. Bei drei Teilnehmern mit erhöhter Insulinausschüttung nach den Mahlzeiten schien diese Reaktion leicht zurückzugehen – bei einer Gruppe von 11 Personen lassen sich daraus jedoch keine belastbaren Schlüsse ziehen3. Für Menschen mit Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) gibt es dagegen mäßige Evidenz: Eine Kombination aus CoQ10 (200 mg) und NADH (20 mg) über 12 Wochen verringerte kognitive Erschöpfung signifikant und verbesserte die Lebensqualität. Dies gilt ausdrücklich nur für ME/CFS-Betroffene4.
Zur Sicherheit gibt es zwei wichtige Punkte. Bis 900 mg täglich wurde NMN in der 60-tägigen Studie gut vertragen: weder Nebenwirkungen noch auffällige Laborwerte. Aus Laboruntersuchungen existiert allerdings ein theoretisches Risiko: Reichert sich das Präparat im Gewebe an und wird nicht schnell genug umgewandelt, könnte ein Enzym aktiviert werden, das Nervenfasern abbaut. Ob das beim normalen Gebrauch beim Menschen relevant wird, ist unbekannt5. Zudem zeigte sich bei Rauchern, die einen anderen NAD-Vorläufer einnahmen, ein dosisabhängiger Anstieg eines Markers für mögliche DNA-Instabilität – ohne dass die durch das Rauchen verursachten DNA-Schäden abnahmen6.
Die individuelle Reaktion auf dieselbe Dosis variiert erheblich: Der NAD-Anstieg schwankte innerhalb der gleichen Dosierungsgruppe um den Faktor drei bis über zehn. Eine Einheitsdosis funktioniert also nicht für alle gleich gut. Da alle bisherigen Studien höchstens 60 bis 90 Tage dauerten und vergleichsweise kleine Gruppen umfassten, wissen wir schlicht noch nicht, was tägliche Langzeiteinnahme bewirkt.
Alle Aussagen stützen sich auf zwei Publikationen zur selben Studie (PMID 36482258 und PMID 38430946, 80 Teilnehmende), eine kleine Open-Label-Studie (PMID 38191197, 11 Teilnehmende), eine Studie mit ME/CFS-Betroffenen (PMID 34444817), eine Laborstudie zum Nervenfaserrisiko (PMID 36657725) sowie eine ältere Studie bei Rauchern mit einem anderen NAD-Vorläufer (PMID 10030610). Die größte Studie ist die stärkste Quelle, hat aber mit 60 Tagen eine kurze Laufzeit und eine begrenzte Teilnehmerzahl.