Wie beeinflusst Sonnenlicht deine Hormone?
Sonnenlicht greift gleichzeitig in mehrere Hormonsysteme ein: Es fördert Vitamin D und Beta-Endorphin, bremst die Melatoninproduktion und kann bei chronischer Belastung den Cortisolspiegel anheben. Eine tägliche Portion Sonne ist sinnvoll, dauerhaftes ungeschütztes Sonnenbaden hat aber auch messbare Schattenseiten.
UV-Strahlung wandelt eine Vorstufe in deiner Haut in Vitamin D3 um. Leber und Nieren verarbeiten diese Verbindung weiter zu Calcitriol, der aktiven Hormonform, die die Aufnahme von Calcium und Phosphat steuert. Bekommt der Körper zu wenig Sonne, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht – einer der am besten belegten Hormoneffekte des Sonnenlichts.
Gleichzeitig produziert die Haut unter UV-Einfluss ein Protein, das in zwei hormonartige Botenstoffe zerfällt: alfa-MSH, das für die Bräunung zuständig ist, und Beta-Endorphin, ein körpereigenes Schmerzmittel. Dieses Beta-Endorphin erklärt, warum Sonnenbaden für viele Menschen angenehm oder sogar suchtartig wirkt. Der Mechanismus ist durch mehrere Studien gut abgesichert.
Licht und Dunkelheit steuern außerdem, wie viel Melatonin dein Körper ausschüttet. Melatonin ist das Schlafhormon: Tageslicht drosselt seine Produktion, Dunkelheit kurbelt sie an. Künstliches blaues Licht am Abend unterdrückt die Melatoninausschüttung ähnlich stark wie übermäßige Lichtexposition tagsüber. Den Vergleich mit einem Vitamin-D-Mangel ziehen manche Forschende als Hypothese heran – ein gesicherter Befund ist das noch nicht.
Bei anhaltender, chronischer UV-Belastung aktiviert die Haut ein eigenes Stresssystem, das Cortisol freisetzt. Dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel können die Neubildung von Gehirnzellen hemmen und die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Wie viel Sonne und wie lange nötig sind, um diesen Effekt auszulösen, ist bislang nicht eindeutig geklärt.
Über dieselben Signalwege beeinflusst UV-Strahlung auch Neurotransmitter wie Dopamin und Glutamat, die an Stimmung, Lernen und Gedächtnis beteiligt sind. Ob das unterm Strich positive oder negative Auswirkungen hat, hängt stark von der Expositionsmenge ab. Dieser Bereich ist noch wenig erforscht und stützt sich größtenteils auf Übersichtsarbeiten, nicht auf große klinische Studien. Ein Sonderfall ist Melasma: Bei Frauen mit dunklerer Haut kann das Zusammenspiel von Sonnenlicht und Östrogen fleckige Pigmentierungen auslösen, die hartnäckig sind und häufig wiederkehren.
Aussagen basieren auf PMIDs 22716179, 36235587, 33320376, 23539007, 40681402, 38892387, 31735001, 27356601. Die Evidenz für Vitamin D und Beta-Endorphin/alfa-MSH ist stark. Die Effekte auf Melatonin, Cortisol und Neurotransmitter sind mäßig bis begrenzt belegt (Übersichtsarbeiten, mechanistische Studien). Für die Cortisol- und Neurotransmittereffekte liegen keine großen randomisierten kontrollierten Studien vor.