Leberzellen schützen sich durch einen Zuckermechanismus
Nicht alle Immunzellen der Leber erfüllen dieselbe Aufgabe. Eine neue Studie zeigt, dass leberresidente Immunzellen sich über einen Zuckerregulationsmechanismus schützen – und dass dies für den Organerhalt bei Lebererkrankungen entscheidend ist.
Die Leber beherbergt zwei Arten von Makrophagen. Die erste, bekannt als Kupffer-Zellen, ist bereits seit der Embryonalentwicklung vorhanden. Sie halten die Leber gesund und wehren Entzündungen ab. Die zweite Art stammt aus zirkulierenden Blutzellen und dringt im Krankheitsfall in die Leber ein. Genau diese zweite Art trägt zur Schädigung des Organs bei.
Chi3l1 als zentraler Regulator
Bei der metabolisch assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD), auch als metabolische Fettlebererkrankung bekannt, werden die schützenden Kupffer-Zellen nach und nach durch die schädigenden blutbürtigen Makrophagen verdrängt. Warum das geschieht, war bislang unklar. Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in eLife veröffentlichten, identifizierten ein Protein namens Chi3l1 (Chitinase 3-like 1) als entscheidenden Faktor.
Dieses Protein bindet direkt an Glukose (Blutzucker) und hemmt so deren Aufnahme in die Zelle. Kupffer-Zellen sind in hohem Maße auf Glukose als Energiequelle angewiesen. Ist Chi3l1 aktiv, werden diese Zellen vor metabolischem Stress geschützt. Fehlt Chi3l1, sterben Kupffer-Zellen unter metabolischem Stress schneller ab, wodurch die schädigenden Makrophagen die Oberhand gewinnen und die Lebererkrankung sich erheblich verschlimmert.
Zelltyp-spezifischer Effekt
Bemerkenswert ist, dass dieser Effekt zelltyp-spezifisch ist. Die blutbürtigen Makrophagen sind weniger glukoseabhängig und kaum von Chi3l1 beeinflusst. Das macht das Protein zu einem potenziell vielversprechenden Therapieziel: Ein Eingriff, der Chi3l1 in Kupffer-Zellen gezielt adressiert, könnte theoretisch die schützenden Zellen erhalten, ohne die schädlichen zu stärken.
Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt. Ob die Erkenntnisse auf Menschen mit MASLD übertragbar sind, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Die metabolische Lebererkrankung zählt weltweit zu den am schnellsten wachsenden Lebererkrankungen – begünstigt unter anderem durch steigende Raten von Adipositas und Typ-2-Diabetes.
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