Longevity-Wettbewerb: Wer altert am langsamsten?
Was wäre, wenn Hunderte von Menschen gleichzeitig messen könnten, wem es am besten gelingt, sein biologisches Alter zurückzudrehen? Genau das ist die Idee hinter einer neuen Initiative, die Anfang 2027 an den Start geht.
NeuroAge Therapeutics hat Younger 2027 angekündigt: einen sechsmonatigen Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer zunächst anhand eines umfassenden Panels biologischer Alterungsmarker untersucht werden, anschließend ihre eigene sechsmonatige Intervention wählen und danach erneut getestet werden. Die Veranstalter kooperieren mit TruDiagnostic, Harvard FaceAge und Vero Bioscience; wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Forschern am MIT, in Harvard, Yale und Stanford.
Das Standardmesspaket umfasst epigenetische Uhren (Messungen chemischer Markierungen an der DNA, die das Altern widerspiegeln), einen kognitiven Test, eine KI-basierte Gesichtsaltersbestimmung sowie funktionelle Parameter wie VO2max und Griffstärke. Wer das erweiterte Paket wählt, erhält zusätzlich zwei Gehirn-MRT-Aufnahmen, mehrere proteinbasierte Alterungsuhren und eine Körperzusammensetzungsanalyse per DEXA-Scan. Einige dieser Uhren sind bislang nicht öffentlich verfügbar.
Wissenschaft oder Spektakel?
Das Wettbewerbsformat wirft methodische Fragen auf, die die Veranstalter nicht beantworten. Die Teilnehmer wählen ihre Interventionen selbst, eine Kontrollgruppe gibt es nicht, und Preise werden auf Basis der absoluten Veränderung im zusammengesetzten Score vergeben. Dadurch lässt sich im Nachhinein kaum bestimmen, was etwaige beobachtete Veränderungen tatsächlich verursacht hat. Es handelt sich nicht um eine randomisierte Studie; ein Vergleich mit klinischer Wissenschaft stößt daher an klare Grenzen.
Dennoch hat die Initiative eine interessante Dimension: Sie sammelt standardisierte, vielschichtige Daten von einer großen Gruppe aktiver Longevity-Enthusiasten. Diese Daten könnten, sofern sie ordentlich zugänglich gemacht werden, für Folgestudien wertvoll sein. Ob das tatsächlich geschehen wird, bleibt offen.
Biologisches Alter als Wettbewerbsdisziplin
Younger 2027 fügt sich in einen breiteren Trend ein, bei dem biologische Alterungsuhren zunehmend außerhalb der reinen Wissenschaft eingesetzt werden: von Versicherungen, Unternehmen und nun auch im Wettbewerbskontext. Aus Longevity-Perspektive ist bemerkenswert, wie rasch epigenetische Uhren den Weg vom Laborinstrument zum Konsumprodukt gefunden haben. Ob die gemessenen Werte für einzelne Teilnehmer tatsächlich klinische Relevanz besitzen, bleibt eine offene Frage.
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- multi-organ methylation clocks