Kann intensives Sport treiben dich tatsächlich schneller altern lassen?
Regelmäßiger Sport verlangsamt das Altern, statt es zu beschleunigen. Bei Übergewicht spielt für die Gefäßgesundheit allerdings auch der Gewichtsverlust eine entscheidende Rolle, nicht nur die Bewegung allein.
Regelmäßige Bewegung verlangsamt das Altern, statt es zu beschleunigen. Eine große randomisierte Studie mit über 5.000 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes zeigte, dass ein intensives Programm aus mehr Bewegung und Gewichtsreduktion die Ansammlung chronischer Erkrankungen über acht Jahre um rund 9 % verringerte. Das ist das genaue Gegenteil von beschleunigtem Altern.
Bei intensiver kurzfristiger Belastung gibt es allerdings eine Einschränkung. Unmittelbar nach einem harten Training sinkt der Glutathionspiegel im Blut vorübergehend. Glutathion ist ein körpereigenes Antioxidans, und dieser Abfall spiegelt den erhöhten Verbrauch während der Belastung wider, weil die Muskulatur dabei mehr freie Radikale produziert. Ob dieser vorübergehende Einbruch dauerhaft schädlich ist, lässt sich aus der vorliegenden Forschung nicht ableiten. Wer regelmäßig trainiert, weist im Schnitt sogar höhere Glutathionwerte auf als Menschen, die sich kaum bewegen, was auf eine Anpassung des Körpers hindeutet.
Für die Gefäßalterung gilt ein spezifischer Vorbehalt. Bei älteren Menschen mit Adipositas hatte aerobes Training allein (viermal pro Woche, zwanzig Wochen) keinen messbaren Effekt auf die Steifigkeit der großen Körperschlagader. Erst die Kombination aus Training und moderater Kalorienreduktion, die zu einem Gewichtsverlust von etwa acht Kilogramm führte, bewirkte eine um 21 % flexiblere Schlagader und eine um 8 % niedrigere Pulswellengeschwindigkeit. Für die Gefäßgesundheit bei starkem Übergewicht reicht Sport allein also nicht aus.
Wenig Bewegung ist eindeutig schlechter. Körperliche Inaktivität beschleunigt den Muskelabbau und verschlechtert die Lebensqualität, sowohl beim normalen Altern als auch bei chronischen Erkrankungen. Dieser Muskelabbau hängt zudem mit einem Rezeptor im Muskelgewebe zusammen, der im Alter aktiver wird und entzündungsähnliche Prozesse in der Muskulatur antreibt. Dieser Mechanismus ist unabhängig vom Sport selbst. Das Fazit bleibt: Bewegung schützt, schadet nicht. Bei Übergewicht zählt für die Gefäßgesundheit aber auch der Gewichtsverlust, der damit einhergeht.
Alle Aussagen basieren auf den vorliegenden Abstracts (PMID 8451550, 28091824, 39988718, 34333991, 33267558, 37476996). Die Studie zur Stammzelltransplantation wurde als Kontext erwähnt, steht jedoch in keinem Zusammenhang mit sportlicher Betätigung und wurde in der Hauptschlussfolgerung nicht berücksichtigt.