Lässt dich Bildschirmzeit (blaues Licht) schneller altern?
Ob dein Bildschirm deine Haut messbar altert, ist nicht belegt; die Lichtdosen in den Studien lagen deutlich höher als das, was ein normaler Bildschirm abstrahlt. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu einer Tagescreme mit Niacinamid.
Blaues Licht kann Hautzellen im Labor schädigen. Zell- und Tierstudien zeigen, dass es Kollagen abbaut, die Neubildung von Kollagen hemmt und die Mitochondrien der Zellen bei hohen Dosen erheblich schädigt. Allerdings handelt es sich dabei um künstliche Laborbedingungen mit Lichtmengen, die ein normaler Bildschirm niemals erreicht.
Die einzige klinische Studie, die Hautalterungsmarker beim Menschen direkt untersucht hat (8 Probanden, fünf Behandlungen), fand keine Hinweise auf DNA-Schäden oder frühzeitige Hautalterung. Beruhigend, ja, aber bei so wenigen Teilnehmern und einer derart kurzen Laufzeit ist das noch keine abschließende Antwort.
Der am besten belegte Effekt beim Menschen ist Hyperpigmentierung: Eine randomisierte Studie mit 33 Frauen zeigte nach wiederholter Exposition eine sichtbare Zunahme der Pigmentierung, besonders bei dunkleren Hauttypen. Die eingesetzten Lichtdosen lagen jedoch höher als das, was ein Bildschirm abstrahlt, weshalb unklar ist, wie relevant das für den Alltag am Computer wirklich ist.
Niacinamid (eine Form von Vitamin B3, die in vielen gängigen Hautpflegeprodukten enthalten ist) reduzierte in genau dieser randomisierten Studie die durch blaues Licht ausgelöste Pigmentveränderung. Einschränkend ist jedoch, dass die Studie vom Hersteller dieses Wirkstoffs finanziert wurde, was die Ergebnisse beeinflussen kann.
Interessanterweise hat blaues Licht in medizinischen Anwendungen auch eine nützliche Seite: In der richtigen Einstellung wirkt es als Aknebehandlung über einen antibakteriellen Mechanismus. Das zeigt, dass Dosis und Kontext entscheidend sind, nicht das Licht an sich.
Die Evidenzbasis umfasst Zell- und Tierstudien, eine kleine RCT (n=33) zur Pigmentierung, eine kleine klinische Studie (n=8) zu Hautalterungsmarkern sowie eine therapeutische Studie zu Akne. Langzeit-RCTs an tatsächlichen Bildschirmnutzern fehlen bislang.