Lebst du länger, wenn du dich mediterran ernährst?
Das mediterrane Ernährungsmuster senkt wahrscheinlich das Risiko für Herzerkrankungen und einen vorzeitigen Tod. Wer aber wirklich lange und gesund leben möchte, braucht mehr als eine gute Ernährung: Bewegung, Nichtrauchen und soziale Einbindung zählen mindestens ebenso viel.
Wer sich konsequent mediterran ernährt, stirbt seltener vorzeitig. In einer griechischen Kohortenstudie mit über 22.000 Erwachsenen war jeder Anstieg um zwei Punkte auf einer 10-Punkte-Skala zur Ernährungstreue mit einer um 25 % niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Die Sterblichkeit durch Herzerkrankungen lag 33 % niedriger, durch Krebs 24 % niedriger. Es handelt sich dabei um Beobachtungsdaten – ein direkter Kausalzusammenhang ist damit nicht belegt. Lebensstil, Einkommen und allgemeiner Gesundheitszustand können die Zahlen verzerren1.
Die stärkste Evidenz gibt es für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte und Übergewicht. Sowohl Beobachtungsstudien als auch Interventionsstudien zeigen hier einen positiven Effekt, was einen Kausalzusammenhang wahrscheinlicher macht als bei anderen Endpunkten. Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen oder bestehende Risikofaktoren verbessern möchte, findet im mediterranen Ernährungsmuster derzeit das am besten belegte Konzept2,3.
Für Typ-2-Diabetes gibt es vielversprechende Hinweise: Das Erkrankungsrisiko scheint zu sinken, und wer bereits erkrankt ist, kann seinen Blutzuckerspiegel besser regulieren. Bei kognitivem Abbau und der Alzheimer-Erkrankung liefern Beobachtungsstudien erste positive Signale, doch reichen diese noch nicht aus, um einen Kausalzusammenhang zu stützen2,3,4.
Wer das mediterrane Ernährungsmuster mit ausreichend Bewegung und Nichtrauchen kombiniert, für den zeigen große Kohortenstudien eine um 8 bis 10 Jahre längere gesunde Lebenserwartung. Der eigenständige Beitrag der Ernährung lässt sich dabei jedoch nicht von den anderen Faktoren trennen. Diese Zahl ist also nicht allein dem Ernährungsmuster zuzuschreiben5.
Die sogenannten Blue Zones – etwa Sardinien oder Ikaria – werden häufig als Beleg für die lebensverlängernde Wirkung dieser Ernährung angeführt. Forschende weisen allerdings darauf hin, dass die dortigen Ernährungsgewohnheiten weder einheitlich sind noch sich im Laufe der Zeit konstant gehalten haben. Soziale Einbindung, körperliche Aktivität und genetische Faktoren spielen dort wahrscheinlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Dass die Ernährung allein für das hohe Lebensalter in diesen Regionen verantwortlich ist, gilt als unzureichend belegt6.
Die Aussagen stützen sich auf eine große prospektive Kohortenstudie (PMID 12826634), mehrere Reviews und Metaanalysen (PMID 34423871, 34204683, 37432307, 37506751, 39275194), eine Lebensstil-Kohortenstudie (PMID 37867396) sowie eine kritische Analyse der Blue Zones (PMID 35780634). Die Kohortenstudie umfasst 22.043 Teilnehmende; für die übrigen Studien wurden keine expliziten Teilnehmerzahlen angegeben. Über alle Studien hinweg liegt die Gesamtzahl der einbezogenen Personen deutlich über 22.000.