Sind Nüsse gut für Herz und Gewicht?
Für die meisten Menschen ist eine tägliche Handvoll Nüsse eine gut belegte Wahl für ein gesünderes Herz. Wer abnehmen oder Diabetes vorbeugen möchte, kann darauf allein jedoch nicht zählen.
Eine Handvoll Nüsse täglich (rund 28 Gramm) geht mit einem deutlich niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Große Metaanalysen zeigen, dass dieses Risiko im Vergleich zu gar keinem Nusskonsum um etwa 21 % sinkt. Die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig zu sterben, war bei regelmäßigen Nussessern in denselben Analysen rund 22 % geringer1,2. Da sich dieses Muster in mehreren großen Bevölkerungsstudien wiederholt, ist der Zusammenhang gut abgesichert.
Den stärksten direkten Beleg liefert die PREDIMED-Studie mit 7447 Teilnehmern über durchschnittlich 4,8 Jahre. Wer eine mediterrane Ernährung mit Nüssen befolgte, hatte ein um 30 % geringeres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod als die Kontrollgruppe3,4. Die Nussgruppe zeigte außerdem eine deutlich stärkere Abnahme des metabolischen Syndroms: 13,7 % Rückgang, gegenüber 6,7 % und 2,0 % in den anderen Gruppen. Nüsse wirkten hier als Bestandteil einer mediterranen Ernährung, nicht als isoliertes Mittel.
Wie Nüsse diesen Effekt erzielen, ist gut verstanden. Sie senken das LDL-Cholesterin, dämpfen Entzündungen und oxidativen Stress und verbessern die Gefäßfunktion2,1. Ein schützender Effekt auf Schlaganfälle ist zwar vorhanden, aber schwächer belegt als der Effekt auf Herzinfarkte2.
Beim Körpergewicht ist das Bild weniger eindeutig. Nüsse sind kalorienreich, doch die vorliegenden Studien geben keinen Anlass zu der Annahme, dass eine Portion täglich zu einer Gewichtszunahme führt. Ein nachgewiesener Schlankheitseffekt lässt sich auf Basis dieser Datenlage ebenfalls nicht belegen1,5. Ob Nüsse das Risiko für Typ-2-Diabetes senken, ist genauso unklar: In PREDIMED war der Effekt der Nussgruppe auf Diabetes statistisch nicht zuverlässig, und breitere Übersichtsarbeiten liefern gemischte Signale3,1.
Schließlich: Etwa 1 bis 2 Prozent der Erwachsenen haben eine Nussallergie oder reagieren anderweitig unverträglich. Für sie gilt diese Empfehlung selbstverständlich nicht1.
Grundlage sind zwei große Metaanalysen (PMID 36041171, 29800597) sowie die randomisierte PREDIMED-Studie (PMID 24829485, 25940230, 25447615). PREDIMED wurde später wegen eines Randomisierungsfehlers in einem Subzentrum teilweise neu ausgewertet; die überarbeitete Analyse bestätigte jedoch die zentralen Befunde.