Stärkt fermentiertes Essen wie Kimchi dein Immunsystem?
Fermentierte Lebensmittel wie Kimchi liefern erste positive Hinweise auf eine vielfältigere Darmmikrobiota und niedrigere Entzündungswerte – die Evidenz reicht aber noch nicht aus, um weitreichende Immunversprechen zu stützen. Ruhig täglich genießen, aber kein Wundermittel erwarten.
In einer 17-wöchigen randomisierten Studie aßen gesunde Erwachsene entweder viel fermentierte Lebensmittel – darunter Kimchi, Joghurt und Kefir – oder viel Ballaststoffe. In der Fermentationsgruppe stieg die Vielfalt der Darmmikrobiota schrittweise an, und mehrere Entzündungsmarker im Blut sanken. Die Ballaststoffgruppe zeigte diesen Effekt beim primären Maß für die Immunantwort nicht. Ein ermutigendes Ergebnis – wobei jede Gruppe lediglich 18 Teilnehmer umfasste.
Wie fermentierte Lebensmittel das genau bewirken, ist noch unklar. Die lebenden Bakterien in Kimchi, Kefir und Joghurt werden mit einer gesünderen Darmbarriere und einer aktiveren Immunabwehr in Verbindung gebracht, doch die genauen Mechanismen sind weitgehend ungeklärt. Stoffe, die beim Fermentationsprozess entstehen, zeigen in Labor- und Tierversuchen vielversprechende Wirkungen – beim Menschen ist das bislang nur in begrenztem Umfang belegt.
Die populäre Behauptung, fermentierte Lebensmittel könnten einen 'Leaky Gut' heilen, ist nicht belegt. Ein Übersichtsartikel hält diesen Effekt für möglich, stellt aber fest, dass klinische Evidenz fehlt. Ähnliches gilt für Getränke wie Kombucha: Reviews erwähnen mögliche Vorteile, weisen aber gleichzeitig auf kleine Studien und methodische Schwächen hin.
Fazit: Kimchi und andere fermentierte Produkte sind als Teil einer abwechslungsreichen Ernährung unbedenklich, und es gibt erste Hinweise darauf, dass sie die Darmmikrobiota und Entzündungswerte positiv beeinflussen. Wer aber erwartet, dass ein täglicher Kombucha dem Immunsystem einen kräftigen Schub gibt, erwartet mehr, als die aktuelle Forschung hergibt.
Aussagen basieren auf einer randomisierten Studie (PMID 34256014, n=36 gesamt), zwei Übersichtsartikeln (PMID 16696665, 32512787) sowie zwei Reviews mit methodischen Einschränkungen (PMID 31076401, 40411688, 36102353). Metaanalysen lagen als Quellen nicht vor.