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Warum sind manche Menschen nach einer Impfung besser geschützt als andere?

Unsicher · Mäßige Evidenz

Wie gut du auf eine Impfung ansprichst, hängt von deiner genetischen Veranlagung, deinem Alter, dem Zustand deines Immunsystems und gegebenenfalls von Medikamenten oder Erkrankungen ab. Nimmst du immunsuppressive Medikamente wie Rituximab, sprich mit deinem Arzt darüber, ob zusätzliche Maßnahmen sinnvoll sind.

Die vollständige Antwort

Den größten Erklärungsbeitrag liefert die genetische Veranlagung. Das sogenannte HLA-System, also die Proteine, mit denen dein Körper Impfstoffe erkennt und dem Immunsystem präsentiert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bestimmte Varianten dieses Systems gehen mit einer schwächeren Impfantwort einher. Manche Menschen lassen sich dadurch von Natur aus schlechter durch Impfungen schützen, unabhängig davon, welcher Impfstoff zum Einsatz kommt.

Auch der Zustand deines Immunsystems unmittelbar vor der Impfung spielt eine Rolle. Studien zum BCG-Impfstoff zeigten, dass Menschen mit einem vergleichsweise ruhigen Immunsystem stärker profitierten als solche, deren Immunsystem bereits aktiv war. Genetische Einflüsse und epigenetische Faktoren, also wie stark bestimmte Gene an- oder abgeschaltet sind, sagten diesen Unterschied vorher. Ein universell gleichmäßiger Nutzen einer Impfung ist also keine Selbstverständlichkeit: Der Ausgangszustand zählt.

Ein dritter Faktor ist das Alter. Ältere Menschen reagieren im Durchschnitt schwächer auf Impfungen als jüngere Erwachsene und unterscheiden sich außerdem deutlich stärker voneinander. Das erschwert pauschale Empfehlungen: Gruppenmi­ttelwerte verschleiern, dass manche Menschen im hohen Alter noch gut auf Impfungen ansprechen, während andere kaum eine Reaktion zeigen.

Bestimmte Erkrankungen und Medikamente dämpfen die Impfantwort erheblich. Menschen mit Multipler Sklerose, die Rituximab oder Fingolimod einnehmen, bildeten nach einer COVID-19-Impfung deutlich weniger Antikörper als MS-Patienten mit anderer Medikation. Auch Zöliakie hängt mit einer schwächeren Antikörperantwort auf den Hepatitis-B-Impfstoff zusammen, während die Reaktion auf andere Impfstoffe bei Kindern mit dieser Erkrankung weitgehend vergleichbar mit der gesunder Kinder bleibt. COPD führt ebenfalls zu einer weniger zuverlässigen Wirksamkeit des Grippeimpfstoffs, wenngleich die Evidenz dafür dünner ist.

Auf der positiven Seite: Wer eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht und danach eine Impfung erhalten hatte, zeigte eine stärkere Immunantwort als jemand, der ausschließlich geimpft worden war. Diese sogenannte hybride Immunität ging mit höheren Antikörperspiegeln und stärkeren T-Zell-Reaktionen einher. Impfstoffe mit Adjuvantien, also Zusatzstoffen, die das Immunsystem gezielt aktivieren, können die Impfantwort auch bei Menschen mit ungünstigerer Ausgangslage verbessern, auch wenn individuelle Unterschiede dabei bestehen bleiben.

Die Belege
8 Studien · 1 Meta-Analysen

Alle Aussagen stützen sich auf die PMIDs 28566880, 38198850, 23953808, 38898409, 35710573, 26378476, 37673427 und 30043342. Die meisten Studien sind beobachtender Art oder kleinmaßstäbig; kausale Zusammenhänge sind für genetische Faktoren und Medikamente am stärksten belegt. Für COPD ist die Evidenzlage am schwächsten.

Zuletzt überprüft: Juli 2026
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