Was ist besser zum Abnehmen: Semaglutid oder Tirzepatid?
Tirzepatid führt im Durchschnitt zu stärkerem Gewichtsverlust und besserer Blutzuckerkontrolle als Semaglutid. Magen-Darm-Beschwerden sind bei beiden Mitteln gleich häufig, der Unterschied bei schwerwiegenden Nebenwirkungen sollte aber mit dem Arzt besprochen werden.
Tirzepatid schlägt Semaglutid in nahezu jeder Hinsicht. Der Unterschied liegt im Wirkmechanismus: Semaglutid aktiviert einen einzigen Hormonrezeptor (GLP-1), während Tirzepatid gleichzeitig einen zweiten Rezeptor (GIP) ansteuert. Dieser doppelte Ansatz erklärt die stärkere Wirkung.
Bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes zeigt eine Netzwerk-Metaanalyse aus 27 Studien (n=15.584), dass Tirzepatid 15 mg gegenüber Placebo durchschnittlich 16,53 % des Körpergewichts reduziert – mehr als Semaglutid 2,4 mg1. Eine große Auswertung realer Patientendaten (n=18.386) bestätigt das: Tirzepatid-Nutzende hatten eine 1,76-fach höhere Chance auf mindestens 5 % Gewichtsverlust und eine 3,24-fach höhere Chance auf mindestens 15 %, verglichen mit Semaglutid-Nutzenden. Nach 12 Monaten betrug der mittlere Unterschied 6,9 Prozentpunkte zugunsten von Tirzepatid2.
Bei Typ-2-Diabetes bestätigt eine Netzwerk-Metaanalyse aus 28 Studien (n=23.622) dasselbe Bild3. Im direkten Vergleich (SURPASS-2, n=1.879, 40 Wochen) senkte Tirzepatid den HbA1c um 2,01 bis 2,30 Prozentpunkte, Semaglutid 1 mg um 1,86 Prozentpunkte. Beim Gewicht verloren Tirzepatid-Nutzende je nach Dosis 1,9 bis 5,5 kg mehr. Alle drei Tirzepatid-Dosen (5, 10 und 15 mg pro Woche) waren statistisch überlegen4.
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen treten bei beiden Mitteln gleich häufig auf und sind meist mild. In SURPASS-2 lagen die Werte eng beieinander: Übelkeit 17-22 % (Tirzepatid) gegenüber 18 % (Semaglutid), Durchfall 13-16 % gegenüber 12 %, Erbrechen 6-10 % gegenüber 8 %. Bei höheren Tirzepatid-Dosen waren Beschwerden etwas häufiger.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: In SURPASS-2 wurden schwerwiegende unerwünschte Ereignisse etwas häufiger unter Tirzepatid gemeldet (5-7 %) als unter Semaglutid (3 %). Übergreifende Metaanalysen stellten jedoch fest, dass keines der beiden Mittel das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen gegenüber Placebo erhöht5,6. Was den Unterschied in dieser einen Studie verursacht, ist unklar. Besprich das deshalb mit deinem Arzt, bevor du dich entscheidest.
Die Grundlage bilden zwei Netzwerk-Metaanalysen (PMID 38613667, 39305981), eine Metaanalyse randomisierter Studien (PMID 37253796), eine direkte randomisierte Studie (SURPASS-2, PMID 34170647), eine große Auswertung elektronischer Patientenakten (PMID 38976257) sowie eine ergänzende Metaanalyse zu Nebenwirkungen (PMID 38286487). Die Auswertung der Patientenakten ist keine randomisierte Studie und kann die Vorteile von Tirzepatid durch Verzerrungseffekte überschätzen.