Was ist Inflammaging?
Inflammaging ist ein real existierender und gut beschriebener Alterungsmechanismus – die Forschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, was seine Messung und die Umsetzung in konkrete Behandlungsempfehlungen betrifft; wer sein Risiko senken möchte, findet derzeit die stärksten Hinweise für den Nutzen einer ballaststoffreichen Ernährung mit Inulin und resistenter Stärke.
Inflammaging bezeichnet eine chronische, niedriggradige Entzündung, die sich mit zunehmendem Alter schleichend aufbaut und lange Zeit ohne spürbare Beschwerden bleibt. Dennoch treibt diese stille Entzündung den biologischen Alterungsprozess voran und erhöht bei älteren Menschen das Risiko für Krankheit und vorzeitigen Tod. Der Begriff setzt sich aus 'inflammation' und 'aging' zusammen und gilt als eines der zentralen Mechanismen des biologischen Alterns.
Ein wesentlicher Treiber des Inflammagings ist ein nachlassendes Autophagiesystem – also jenes zelluläre Selbstreinigungsprogramm, das beschädigte Bestandteile abbaut und entsorgt. Funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr einwandfrei, häufen sich geschädigte Proteine an, die Mitochondrien arbeiten schlechter, und oxidativer Stress nimmt zu. All diese Störungen befeuern die niedriggradige Entzündung zusätzlich und erzeugen so einen sich selbst verstärkenden Kreislauf.
Inflammaging ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs verbunden und trägt zu Sarkopenie bei – dem altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft, der ältere Menschen gebrechlicher und weniger mobil macht. Darüber hinaus gibt es begrenzte Hinweise darauf, dass Inflammaging über die Alterung von Knorpelzellen, ein Prozess namens Chondroseneszenz, die Entstehung und das Fortschreiten von Arthrose begünstigen kann.
Wichtig zu wissen: Die genaue ursächliche Rolle des Inflammagings bei den meisten altersbedingten Erkrankungen ist noch nicht vollständig geklärt. Die meisten Zusammenhänge sind bislang assoziativer Natur – Inflammaging und diese Krankheiten treten gemeinsam auf, doch ein direkter Kausalnachweis fehlt in der Regel noch. Hinzu kommt, dass eine standardisierte Methode zur zuverlässigen Messung von Inflammaging im klinischen Alltag bisher nicht existiert.
Im Bereich Ernährung zeigen bestimmte Ballaststoffe ein gewisses Potenzial. Inulin und resistente Stärke weisen kurzfristig entzündungshemmende Effekte auf, die möglicherweise für das Inflammaging relevant sind. Für andere Ballaststoffe wie Pektine, Beta-Glucane und Psyllium fällt die Datenlage weniger überzeugend aus. Da sich die vorliegenden Studien erheblich voneinander unterscheiden, lassen sich auf Basis des aktuellen Forschungsstands noch keine eindeutigen Ernährungsempfehlungen ableiten.
Basierend auf mehreren Übersichtsartikeln und Beobachtungsstudien (PMID 27501488, 30287177, 25637957, 31148100, 39861412, 25962896, 40076626, 41361441). In den vorliegenden Quellen sind keine randomisierten Interventionsstudien mit harten Endpunkten verfügbar. Kausalität ist für die meisten Outcomes plausibel, aber nicht abschließend belegt.