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Was macht Übergewicht mit deinem Entzündungsspiegel?

Ja · Mäßige Evidenz

Übergewicht erhöht den Entzündungsspiegel dauerhaft über mehrere biologische Wege. Bewegung, insbesondere Krafttraining, ist ein konkretes Mittel, um diesen Effekt zumindest teilweise umzukehren.

Die vollständige Antwort

Übergewicht versetzt das Immunsystem dauerhaft in einen Zustand unterschwelliger Aktivierung. Mehrere Studien zeigen konsistent, dass übergewichtige Menschen erhöhte Entzündungsmarker im Blut aufweisen. Diese Entzündung verläuft nicht akut wie bei einer Infektion, sondern schleichend und anhaltend. Sie nimmt mit dem Ausmaß des Übergewichts zu: Bei einem BMI über 40 liegen die gemessenen Werte deutlich höher als bei leichtem Übergewicht.

Das Fettgewebe selbst ist ein zentraler Treiber dieser Entzündungsreaktion. Wenn die Fettmasse zunimmt, wandern Immunzellen ins Fettgewebe ein. Dort lösen sie lokale Entzündungsprozesse aus und setzen gleichzeitig Botenstoffe frei, die den gesamten Organismus beeinflussen. Parallel dazu sinkt der Adiponektinspiegel: Dieses Hormon, das Fettzellen normalerweise produzieren, wirkt entzündungshemmend. Bei Übergewicht wird weniger davon ausgeschüttet, und der Körper spricht auch schlechter darauf an.

Zwei weitere Mechanismen verkomplizieren das Bild. Erstens stört Übergewicht das Darmmikrobiom und erhöht die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Bakterielle Substanzen können so leichter in die Blutbahn gelangen und die Entzündungsreaktion weiter anfachen. Zweitens begünstigt Übergewicht eine Fetteinlagerung in der Leber. Diese Fettlebererkrankung trägt ihrerseits zu systemischer Entzündung bei, die die Lebererkrankung wiederum verschlimmert.

Diese chronische Entzündung bleibt nicht folgenlos. Sie erhöht die Neigung zur Blutgerinnung und spielt eine kleine, aber messbare Rolle beim erhöhten Depressionsrisiko bei übergewichtigen Menschen. Eine entzündungsfördernde Ernährung mit viel verarbeiteten Lebensmitteln und wenig Ballaststoffen verstärkt den Effekt zusätzlich.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht: Zwölf Wochen Krafttraining, dreimal pro Woche, senkten bei übergewichtigen Männern die Entzündungsmarker CRP und TNF-alpha nachweislich und erhöhten den Adiponektinspiegel. Ein kombiniertes Training von Ober- und Unterkörper zeigte die stärkste Wirkung, aber selbst das Training einer einzelnen Körperregion hatte bereits einen positiven Effekt.

Die Belege
7 Studien · ≈ 11.000 Teilnehmer

Die Aussagen stützen sich auf mehrere Studien, darunter große Beobachtungsdatensätze (über 11.000 Teilnehmende) sowie kleinere interventionelle RCTs. Die kausale Richtung (Übergewicht verursacht Entzündung) gilt biologisch als plausibel, die meisten Zusammenhänge sind jedoch assoziativ oder mechanistisch belegt, nicht durchgängig durch randomisierte Studien nachgewiesen.

Zuletzt überprüft: Juli 2026
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