Was kann ich selbst tun, um mein Krebsrisiko zu senken?
Wer nicht raucht, Alkohol einschränkt, ein gesundes Gewicht hält und sich regelmäßig bewegt, senkt sein Risiko für mehrere häufige Krebsarten nachweislich, auch wenn Krebs in der Familie vorkommt.
Eine große Kohortenstudie mit knapp 196.000 Teilnehmenden zeigt: Wer die Lebensstilempfehlungen des World Cancer Research Fund konsequenter befolgt, senkt sein Krebsrisiko pro Punktschritt in diesem Score um 11 Prozent. Das galt für 8 der 13 untersuchten Krebsarten1. Besonders wichtig: Bei Menschen mit hoher genetischer Vorbelastung war die absolute Risikoreduktion sogar größer als bei Menschen mit niedrigem genetischem Risiko. Erbliche Veranlagung ist also kein Grund, untätig zu bleiben.
Die zwei wirkungsvollsten Schritte sind Rauchstopp und ein deutlich reduzierter oder ganz aufgegebener Alkoholkonsum. Rauchen erhöht das Risiko für mehrere Krebsarten. Bei Frauen begünstigt es außerdem die Persistenz von HPV-Infektionen, was das Risiko für Gebärmutterhalskrebs steigert. Alkohol wird in mehreren Reviews durchgängig als risikoerhöhend eingestuft2,3. Beide Faktoren stehen auf jeder Präventionsliste ganz oben.
Ein gesundes Körpergewicht ist der dritte große Hebel. Übergewicht erhöht über Hormonstörungen und niedriggradige chronische Entzündungen das Risiko für Brust-, Darm- und Prostatakrebs. Eine Ernährung mit viel Vollkorngetreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten sowie wenig rotem Fleisch, stark verarbeiteten Produkten und zuckerhaltigen Getränken ist mit einem niedrigeren Krebsrisiko assoziiert4,5. Die Evidenz für einzelne Ernährungsfaktoren ist vorwiegend assoziativ, fügt sich aber konsistent in dasselbe Gesamtbild ein.
Regelmäßige körperliche Aktivität senkt das Krebsrisiko und kann die Progression bestehender Krebserkrankungen verlangsamen, unter anderem durch einen verbesserten Stoffwechsel und stärkere Immunreaktionen6. Die genaue Effektgröße variiert je nach Studie, doch die Richtung ist durchweg positiv.
Bei zwei Maßnahmen ist Vorsicht angebracht. Die mediterrane Ernährung wird als schützend vor Eierstockkrebs genannt, doch diese Evidenz ist begrenzt und stammt aus einer einzigen Review. Auch Vitamin-D-Supplementierung wird diskutiert, konkrete Dosierungen oder gesicherte Wirkversprechen fehlen jedoch7. Bei Gebärmutterhalskrebs können HPV-Impfung, eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien und Folsäure sowie Nichtrauchen das Risiko reduzieren. Hinzu kommt: Darmkrebs bei Menschen unter 50 hat sich seit den frühen 1990er-Jahren fast verdoppelt, vermutlich durch veränderte Ernährungs- und Umweltbedingungen. Drei von vier jungen Betroffenen haben keine Familiengeschichte mit dieser Erkrankung, was zeigt, dass der Lebensstil hier eine eigenständige Rolle spielt.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große Kohorten- und Reviewstudien (PMID 36651198, 38542712, 40277318, 36040006, 29284222, 32738520, 31394082). Die größte Kohorte umfasste knapp 196.000 Teilnehmende mit einem mittleren Follow-up von 10 Jahren. Für einzelne Ernährungsfaktoren und Vitamin D ist die Evidenz mäßig bis begrenzt und überwiegend assoziativ. Randomisierte Studien zum gesamten Lebensstilpaket liegen nicht vor.