Was macht das Stresshormon Cortisol mit meinem Alterungsprozess?
Dauerhaft hohe Cortisolspiegel beschleunigen die Alterung, besonders in der Haut. Die Belege für weiter reichende Effekte auf die biologische Uhr sind vielversprechend, aber noch nicht abschließend.
Cortisol ist das Stresshormon, das dein Körper unter Druck ausschüttet. Kurzfristig ist das kein Problem, doch dauerhaft erhöhte Spiegel beschleunigen Alterungsprozesse. Wie stark, hängt vom Organ ab.
Am klarsten ist die Datenlage für die Haut. Menschen mit mäßig hohem Stressniveau zeigten rund 33 % mehr feine Linien und Texturveränderungen als gering gestresste Personen. Außerdem war ihre Hautbarriere schwächer, und ihre Hautzellen wiesen mehr DNA-Schäden auf. Hinzu kommt, dass die Haut selbst lokal Cortisol produziert. Ein Überschuss davon bremst die Wundheilung und treibt die Hautalterung voran. Rund um die Menopause verstärkt der sinkende Östrogenspiegel diesen Effekt, wobei sich der Cortisolanteil nur schwer vom Östrogenabfall trennen lässt.
Ein weiterer Ansatz ist die biologische Uhr, gemessen über epigenetische Methoden, die zeigen, wie 'alt' sich deine Zellen tatsächlich verhalten. Eine Studie mit 969 Teilnehmenden stellte fest, dass höhere Cortisolspiegel mit einem höheren biologischen Alter zusammenhingen. Das Verhältnis zwischen Cortisol und dem schützenden Nebennierenhormon DHEAS war dabei der stärkste Vorhersagewert. Das ist jedoch eine Assoziation, kein Kausalitätsbeweis. Eine andere Studie mit 296 Berufstätigen fand hingegen keinen Zusammenhang zwischen erhöhtem Cortisol und beschleunigter biologischer Alterung. Arbeitsstress sagte zwar Burnout und Depression voraus, nicht aber eine schneller tickende biologische Uhr.
Es gibt außerdem Hinweise, dass chronische UV-Strahlung eine Stresshormon-Signalkette in der Haut aktiviert, die den Cortisolspiegel im Blut anhebt. Das könnte die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus, deinem Gedächtniszentrum, hemmen. Diese Erkenntnis stammt jedoch aus einem Übersichtsartikel ohne eigene Messungen an Menschen.
Was lässt sich konkret tun? Massagetherapie wurde in mehreren Studien mit niedrigeren Cortisolspiegeln in Verbindung gebracht, vermutlich weil Druckreize das parasympathische Nervensystem aktivieren. Sie gehört zu den am besten belegten nicht-medikamentösen Wegen, Cortisol zu senken. Chronischen Stress als Alterungsfaktor ernst zu nehmen ist berechtigt. Cortisol jedoch als alleinige Ursache zu benennen, wäre eine Überinterpretation der Datenlage.
Sieben Quellen: fünf Humanstudien (darunter zwei mit epigenetischen Uhren, eine klinische Hautstudie, eine Studie mit Berufstätigen und eine mit 969 Personen), ein Übersichtsartikel zu UV-Strahlung und Gehirn sowie eine Laborstudie zur lokalen Cortisolproduktion in der Haut. Eine Studie wurde von einem Kosmetikkonzern (Coty) finanziert; dieser Befund ist entsprechend gekennzeichnet. Eine randomisierte Interventionsstudie mit Alterung als primärem Endpunkt liegt nicht vor.