Verursacht Kreatin Haarausfall?
Die aktuelle Studienlage gibt keinen Anlass, Kreatin wegen Haarausfalls zu meiden: Sowohl direkte Haarmessungen als auch Hormonspiegel blieben unverändert.
Kurze Antwort: nein, Kreatin verursacht keinen Haarausfall. Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 38 jungen Männern zeigte, dass 5 Gramm Kreatin täglich über 12 Wochen den DHT-Spiegel unberührt ließ – also genau jenes Hormon, das Haarfollikel schädigen kann. Auch das Verhältnis von DHT zu Testosteron blieb im Vergleich zur Placebogruppe konstant. Dabei war genau dieser DHT-Effekt der Kern der ganzen Haarausfall-Theorie.1
Dieselbe Studie betrachtete auch die Haare direkt. Follikeldichte, Anzahl der Haareinheiten pro Quadratzentimeter und kumulative Haardicke: alles unverändert. Zwischen der Kreatin- und der Placebogruppe fand sich kein einziger statistisch relevanter Unterschied.
Zwei internationale Expertreviews aus den Jahren 2021 und 2024 kamen zum gleichen Ergebnis: Es gibt keinen Beleg dafür, dass Kreatin Haarausfall oder Kahlheit verursacht.2und 39720835) Die gesamte Besorgnis geht auf eine kleine Studie aus dem Jahr 2009 zurück, die nie solide repliziert wurde und ausschließlich DHT-Werte maß, ohne die Haare selbst zu untersuchen.
Der einzige kreatinbezogene Befund, der in Studien gelegentlich auftaucht, ist ein erhöhter Wert eines Muskelenzyms. Das hat mit Haarausfall nichts zu tun. Wer tatsächlich unter Haarausfall leidet, sollte die Ursache woanders suchen und das mit seinem Arzt besprechen.
Alle Aussagen stützen sich auf eine RCT (n=38, PMID 40265319) sowie zwei narrative Expertreviews (PMID 33557850 und 39720835). Die RCT ist klein, aber direkt auf diese Frage ausgerichtet.